Darüber, dass Hörsaalbesetzungen nicht der richtige Weg sind, mehr Bildung zu fordern, braucht man wahrscheinlich nicht lange streiten. Logisch ist es schwer zu vermitteln, dass man mehr Bildung fordert, indem man Vorlesungen blockiert, in denen andere Studenten gerne etwas lernen würden. Die zusätzlichen Kosten der Besetzung werden an anderer Stelle in der Lehre eingespart werden müssen.
Trotzdem fordere ich die Universität auf, sich mit den aufgestellten Forderungen intensiv auseinanderzusetzen. Denn der Unmut dahinter ist berechtigt. Selbst wenn da nicht jede der Forderung Hand und Fuß hat. Einige der Ideen der Bildungsstreikenden möchte ich hier diskutieren.
Hochschulräte
Hochschulräte sind der größte Glücksfall für die studentischen Interessen der letzten Jahrzehnte.
Die Professoren und Mitarbeiter in den Gremien sind klassische Interessenvertreter. Ihr Interesse steht nicht selten gegen das der Studenten. Viele Professoren wollen lieber forschen als Vorlesungen geben. Exzellente Forschung geht nur auf Kosten der Lehre.
Externe Hochschulräte haben innerhalb der Universität keine eigenen Interessen. Sie stehen über den Verteilungskämpfen und sind mit Argumenten zu überzeugen. Mit ihrer Unterstützung haben wir in Bonn Erfolge erzielen können, die im Senat niemals möglich gewesen wären.
Reale Studienordnungen in die Hand nehmen!
Alle sind der festen Überzeugung, dass Bachelor und Master verändert werden müssen. Von Annette Schavan bis zum Rektor. Die Forderung alleine führt zu nichts. Man muss auch sagen, was man verändern möchte und das so konkret wie nur möglich.
Anders als einige Universitätsangehörige das manchmal glauben machen möchten, werden die Studienordnungen nicht in Düsseldorf oder Berlin geschrieben, sondern in den Fakultätsräten der Universität. Die Fakultäten alleine sind dafür verantwortlich, wie das Studium in Bonn aussieht.
Wenn man das Problem also angehen möchte, muss man es an Hand der konkreten Studienordnungen tun. Man gehe kurz auf die Seite der Universität, lade sie runter und formuliere konkrete Änderungsvorschläge und -anträge. Gewöhnlich kann jeder Student seinen Änderungsantrag sogar selbst in den Fakultätsrat einbringen.
Das erfordert allerdings viel Einsatz und Detailarbeit. Je konkreter und weitgehender die Änderungsvorschläge werden, desto schneller wird die breite Zustimmung zusammenbrechen. Das ist fast zwingend, denn wir wollen etwas von den Professoren und der Universität. Nicht alle sind bereit, für eine bessere Lehre auch etwas herzugeben. Wenn hin und wieder ein Professor einen roten Kopf bekommt, weiß man gewöhnlich, dass man da auf dem richtigen Weg ist.
Paritätische Beteiligung
Es wird auch gefordert, dass Studenten paritätisch in allen Universitätsgremien vertreten sein sollten. Das hat das Land Bremen schon einmal versucht. Das Bundesverfassungsgericht hat das 1973 als Verstoß gegen die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Wissenschaft gewertet. Professoren müssen in den Gremien die Mehrheit haben. Das gilt, solange das Grundgesetz gilt.
Nicht in die Studiengebührenfalle treten
Die Einführung von Studienbeiträgen war für die Universitätsverantwortlichen ein Glücksfall. Nicht des Geldes wegen. Sondern weil ihnen klar war, dass ab sofort jeder studentischer Widerspruch von diesem Thema dominiert sein wird. Der Rest geht daneben unter. Schlechte Lehre? Egal. Die Studenten reden über Studiengebühren. Es sei nur kurz angemerkt, dass, auch wenn Studiengebühren wegfallen, die Lehre kein bisschen besser wird.
Tags: Hochschulrat, Studiengebühren













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