Symbolbild

Gegen die herrschende Klasse

In der sozialen Marktwirtschaft gibt es kaum einen Ort, der so hierarchisch organisiert ist wie eine Universität. Am letzten Freitag hat mich ein Fernsehteam des WDR-Magazins „Westpol“ besucht, um sich die Missstände in der Lehre zeigen zu lassen. Also standen wir im Eingang des Juridicums und haben uns die Klagelieder der passierenden Studenten angehört: Über Studienbedingungen und die Betreuung durch die Professoren. Irgendwann fragt dann der WDR-Reporter: „Würden Sie das auch vor der Kamera sagen?“ Vehementes Kopfschütteln – Auf keinen Fall. Man wisse ja nicht, welcher Professor die Diplomarbeit betreuen wird. Nicht, dass man ausversehen dem Falschen auf die Füße tritt.

Schicksale hängen ab von der Bewertung eines einzelnen Professors. Kritik beendet Karrieren. Das Humboldt-Studium unterbindet jedes Aufbegehren. Kein Unternehmen kann es sich leisten, so mit seinen Mitarbeitern umzugehen.

"Das Geld fließt nicht in Qualität""Das Geld fließt nicht in Qualität"
Ein TV-Bericht zu Studentenprotesten und Studienbedingungen bei WESTPOL im WDR.

Noch größer wird die Abhängigkeit bei Promovenden. Wer kann seinem Professor schon den Wunsch abschlagen, ganztags zu arbeiten, obwohl man nur eine Viertelstelle hat? Selbstverständlich unterstützt man die wissenschaftliche Arbeit seines Professors selbstlos! Abhängigkeit ist die Voraussetzung für Ausbeutung.

Mehr Geld – nicht für die Lehre
Über ein Graduiertenkolleg aus der Exzellenzinitiative und Studienbeiträge ist der Fachbereich VWL unser Uni ordentlich gewachsen: Neue Professuren wurden eingerichtet und neue wissenschaftliche Mitarbeiter eingestellt. Jeder Professor hat ein gesetzliches Lehrdeputat. Man rechnet also damit, dass auch mehr Lehrveranstaltungen angeboten werden. Die Realität sieht anders aus: Das Angebot bleibt dasselbe. Aber statt von Spitzenforschern werden die Vorlesungen jetzt von Juniorprofessoren gehalten. Die Professoren haben den gewachsenen finanziellen Spielraum geschickt genutzt, um sich von Lehrbelastungen zu entledigen.

Auf der Senatssitzung am dritten Dezember kommentierte ein professoraler Senator  die Kritik an den Studienbedingungen: „Wenn Sie nur Lehre wollen, dann  gehen Sie doch auf eine FH.“ Andere Professoren applaudierten.

Kritik an den Studienordnungen ist richtig. Sie vertreibt aber nicht den Muff, der sich in den Universitäten angesammelt hat. Universität muss sich grundlegend verändern. Deshalb müssen wir endlich über die Privilegien und Verfehlungen von Professoren reden.

Tags: ,

Kommentieren