„Die Studiensituation an den Hochschulen in NRW vor dem Hintergrund der aktuellen Proteste“ war das Thema der Wissenschaftsausschusssitzung im Landtag, zu der ich als Sachverständiger geladen war.
Mit mir eingeladen als studentischer Vertreter: Hilmar Schulz (Linke.SDS) von der Hochschule Niederrhein. Pünktlich zehn Minuten vor Sitzungsbeginn stehen wir vor dem noch verschlossenen Tagungsraum. Die Gelegenheit, sich kurz abzusprechen. Hilmar und ich sind uns trotz aller politischer Gegensätze einig: Heute geht es einmal nicht um Studienbeiträge. Wir wissen, wie die Ausschussmitglieder zu diesem Thema stehen, das ist schon unzählige Male dokumentiert worden. Es gibt noch genug andere Probleme an den Universitäten, mit denen sich die Politik auch einmal beschäftigen muss.
„Die Ziele sind definiert“
Die Sitzung beginnt mit den anderen zwei Sachverständigen. Der Rektor der Universität Köln und die Rektorin der Fachhochschule Bielefeld beschreiben die Studienbedingungen aus ihrer Sicht: Klar gebe es Probleme, aber die seien lösbar und man sei sowieso auf dem richtigen Weg. Die Studenten hätten es nur so unheimlich eilig. Sie müssen sich einfach mehr Gedulden. Man habe längst „Ziele definiert“ um zu evaluieren und dann Maßnahmen zu ergreifen. Dazu sei man willens.
Endlich sind wir Studenten dran. Hilmar beginnt mit den Klassikern der studentischen Forderungen: Anwesenheitspflichten, überladene Studienordnungen und unnötige Prüfungsbelastungen.
Dann darf ich endlich reden. Ich versuche meinen Fokus auf Themen zu legen, bei denen das Land wirklich etwas mitzureden hat: Dass die Rektoren die Probleme erkennen und irgendwann Maßnahmen ergreifen wollen ist gut. Aber das darf nicht erst in ein paar Jahren passieren, sondern muss sofort geschehen! Dass von der Idee bis zur Umsetzung in der Universität Jahre und Jahrzehnte stehen können, ist nicht mehr akzeptabel. Das Land muss den Universitäten Strukturen geben, die es erlauben, Probleme, über deren Existenz sich alle einig sind und für die auch alle die Lösungen kennen, deutlich schneller zu lösen. Das geht nur mit stärkeren Rektoren und Dekanen.
Mit ihrer Forschungsorientierung unterläuft die Politik die Verbesserung in der Lehre. Ein Professor hat nur ein begrenztens Zeitbudget. Spitzenleistungen in der Forschung gehen in der Praxis sehr oft auf Kosten der Lehre. Für Forschung bekommt ein Professor Drittmittel, Anerkennung und Ruhm. Dagegen gibt es bisher keinen vernünftigen Grund, sich in der Lehre mit seinen Studenten Mühe zu geben.
Über die Exzellenzinitiative wird diese Dynamik sogar noch befeuert: Die wichtigste Förderung, die Professoren auf dem Weg zur Spitzenforschung erfahren, ist die Absenkung des Lehrdeputats durch die Universität.
Pinkwart bietet Lösungen
Der Minister geht darauf sachkundig und detailiert ein. Bei der nächsten Exzellenzinitiative werde die Lehre eine wesentliche Rolle spielen. Universitäten, die dort auf den hinteren Plätzen landen, seien nicht exzellent. Diese Haltung hat er auch mittlerweile in einer Pressemitteilung noch einmal öffentlich gemacht. Universitäten, die schnelle Änderungen an Studienordnungen mit Blick auf die Re-Akkreditierung scheuen, würde er eine ministeriale Sondergenehmigung erteilen. Schnelle Veränderungen sind damit möglich.
Das ist ein deutlicher Kontrast zu den Landtagsabgeordneten. Die haben nur ein Thema: Studienbeiträge. Das ist schön einfach und schlagwortfähig. Dafür muss man sich auch nicht mit vielen Details beschäftigen. Auch der Hinweis, dass wir Studenten heute von etwas ganz anderem geredet haben, bringt sie davon nicht mehr ab.
Tags: FDP, Landtag NRW, Pinkwart













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