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Arm und Reich: Der Abstand schrumpft

Noch nie war der Abstand zwischen Arm und Reich in Deutschland geringer und er schrumpft sogar noch weiter. Die Brutto-Löhne entwickelten sich zwar in den letzten Jahren auseinander, aber das sind virtuelle Werte. Entscheidend ist, was man abseits der Statistiken von diesem Geld für einen Lebensstil finanzieren kann, und da nähern sich Arm und Reich immer mehr an.

Einen guten VW Golf bekommt man für 25.000 Euro. Man kann aber auch das Vierfache, also 100.000 Euro für einen Mercedes der S-Klasse ausgeben. Im Geldwert ein enormer Unterschied, in der Funktion nicht. Beide bringen einen solide von einem Ort zum anderen. Der größte Unterschied, der auch Einfluss auf die reale Lebensgestaltung hat, ist, ob man sich ein Auto leisten kann oder nicht. Die Trennung zwischen Arm und Reich liegt also in den folgenden Fragen: Über welche Güter verfügen Reiche, über die Arme nicht verfügen? Und gibt es da immer mehr Güter, wächst also der Abstand, oder werden es weniger, was hieße, dass der Abstand schrumpft?

Im Jahr 2000 betraf das noch eine Vielzahl von Haushaltsgeräten: Mikrowellen, Trockner und Geschirrspüler waren in fast allen Haushalten mit einem Nettoeinkommen von 5.000 Euro vorhanden. In Haushalten mit einem Nettoeinkommen von unter 1.300 Euro dagegen waren sie selten. 2007 sah das mittlerweile ganz anders aus: Hatten 2000 noch nur 14 Prozent der armen Haushalte einen Geschirrspüler, sind es mittlerweile über 37 Prozent. Statt 36 Prozent haben mittlerweile 56 Prozent eine Mikrowelle. Währenddessen gibt es bei den Reichen kaum Verbesserung. 2000 hatten bereits 85 Prozent einen Geschirrspüler. 89 Prozent sind es im Jahr 2007. Die armen Haushalte holen in großen Schritten auf. [1]

2000 noch Luxus: Computer, Handys und Internetanschlüsse. Auch hier die gleiche Entwicklung: Hatten 2000 nur 7 Prozent der armen Haushalte einen Internetanschluss, waren es 2007 schon 39 Prozent. 14 Prozent hatten 2000 ein Mobiltelefon. Über 64 Prozent sind es 2007. Computer haben mittlerweile mehr als 54 Prozent der armen Haushalte. 2000 waren es noch 25 Prozent. In den reichen Haushalten, war all dies schon 2000 weit verbreitet. Die Abstand zwischen Arm und Reich in konkreten Gütern schrumpft abseits der Statistiken in gewaltigen Schritten.

Luxus ist das Bedürfnis von morgen
Zufall? Es gibt Ökonomen, die diese Entwicklung für einen Automatismus halten. Neue Kenntnisse und ihre Auswirkungen verbreiten sich nur langsam. Prozesse sind nicht von Anfang an perfekt, sondern verbessern sich im Laufe der Zeit. Was dann dazu führt, dass Güter immer billiger und damit für mehr Menschen erreichbar werden. Es sei sogar die Voraussetzung für Fortschritt, dass es direkt am Anfang, wenn das neue Produkt noch unerschwinglich teuer ist, eine Nachfrage gibt, damit es später für die Massen erschwinglich wird. Der Reichtum weniger ist also die Voraussetzung für den Wohlstand aller. Friedrich August von Hayek beschreibt das in “Die Verfassung der Freiheit” so:

In jeder Phase dieses Prozesses wird es immer viele Dinge geben, die wir schon herzustellen wissen, die aber noch zu teuer sind, als dass sie für mehr als einige wenige geboten werden können. In einem frühen Stadium können sie nur mit einem Aufwand an Mitteln erzeugt werden, der das Vielfache des Anteils am Gesamteinkommen ausmacht, der bei annähernd gleicher Verteilung auf die wenigen entfiele, die daraus Nutzen ziehen könnten. Zuerst ist ein neues Gut gewöhnlich “die Laune einer Elite, bevor sie ein Bedürfnis des Publikums wird und zum Notwendigen gehört. Denn der Luxus ist das Bedürfnis von morgen.” Überdies werden neue Dinge für den Großteil der Menschen oft nur verfügbar, weil sie eine Zeitlang der Luxus der Wenigen waren. [2]

 
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[1] Ausstattungsgrad laufende Wirtschaftsrechnung des statistischen Bundesamtes
[2] Friedrich August von Hayek: Die Verfassung der Freiheit

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9 Kommentare zu “Arm und Reich: Der Abstand schrumpft”

  1. P. Litzka sagt:

    Sehr schön Herr Schoop:-)

  2. Moritz sagt:

    Was für ein hanebüchener Blödsinn. Du pickst dir hier willkürlich Dinge heraus, die durch schnellen Fortschritt mittlerweile für große Bevölkerungsteile erschwinglich geworden sind – Mikrowellen gibts für 25€ bei Aldi.

    Relevant sind aber zum Beispiel auch Dinge, deren relle Kosten konstant geblieben oder gar gestiegen sind.

    Außerdem behauptet doch keiner, der an einer ernsthaften Diskussion interessiert ist, dass er allen Erwerb und alle Güter allen gleichermaßen zugänglich machen will. Nein, nichtmal die Stalinisten von der SPD. Es ist also okay wenn es Leute gibt, die vor allen anderen eine Mikrowelle und einen Computer haben.

    Was nicht okay ist, ist an willkürlichen Beispielen eine gesamtgesellschaftliche Problematik zu negieren, wie du das hier tust. Guck dir doch einfach die Einkommensverteilung nochmal an, die du mit einem Handstreich von der Argumentationsbühne zu fegen versuchst. Nur weil wir hier auf einem Niveau “jammern”, das nichts mit der dritten Welt zu tun hat, ist noch lange nicht alles gut.

  3. j.w. schoop sagt:

    Wie kann man Wohlstand besser messen, als an der Verfügbarkeit von Gütern? Und immer mehr Güter (ja, auch Mikrowellen), die früher nur für Reiche erschwinglich waren, werden für Arme erschwinglich.

    Niemand hat behauptet, dass irgendwer totale Gleichheit will. Aber es wird immer wieder behauptet, dass die Ungleichheit im Wohlstand wächst. Das ist aber de facto nicht der Fall.

  4. Moritz sagt:

    Du redest an mir vorbei, ohne auf meinen Kommentar einzugehen.

    Erklär mir mal die Kriterien der Auswahl der Güter, die du für deine These heranziehst? Wie sieht es bei Gütern wie einer privaten Altersvorsorge aus, mal so als Beispiel?

  5. j.w. schoop sagt:

    Führ doch den Gegenbeweis: Bei welchen Gütern ist die Verfügbarkeit unter Armen zurückgegangen und war bei Reichen mindestens kostant? Oder wo ist die Verfügbarkeit bei Reichen stärker gestiegen als bei Armen? Dann legen wir das neben meine Beispiele und bewerten das (und werden wohl zu meinem Schluss kommen).

    Geldanlage (private Altersvorsorge) ist doch nur die Verschiebung von Gütererwerb von heute in die Zukunft. Es macht Sinn, bei den realen Gütern zu bleiben. In den Vergleichsgruppen sind ja auch Rentner vertreten.

  6. Toni sagt:

    Also ich finde Wolfgangs Beispiel mit dem Auto sehr anschaulich. Der “Wohlstandsunterschied” zwischen einem Golf und einem S-Klasse-Mercedes ist einfach nicht so groß, wie der zwischen einem Golf und keinem Auto (auch wenn es beim Preis eben genau andersrum ist).

    Genauso ist es mit Mikrowellen. Und wie schon oben spielt der Preis keine (oder zumindest fast keine) Rolle: Der zusätzliche Nutzen den mir eine 2500 € Mikrowelle mit vergoldeteten Armaturen oder ähnlichem Schnickschnack gegenüber einer 25 € Mikrowelle von Aldi stiftet ist eben nicht annähernd so groß, wie der Nutzenvorteil der Aldi-Mikrowelle gegenüber einer Situation ohne Mikrowelle.

    Was ich damit sagen möchte ist, dass Wolfgangs Ausführungen eben nicht “hanebüchener Blödsinn” sind.

    Und gegeben, dass die von Wolfgang verwendeten Zahlen korrekt sind (was ich einfach mal unterstellen möchte), ist bei den Autos (und anderen Gütern) der Unterschied zwischen “arm” und “reich” (wobei hier natürlich auch nochmal die Definition kritisch hinterfragt werden müsste) einfach geschrumpft, was eben auch damit einhergeht, dass der “Wohlstandsunterschied” geschrumpft ist.

    Das Problem ist aus meiner Sícht das, dass die Menschen die wirklich bedürftig sind kaum im Interesse der Öffentlichkeit stehen, sondern nur die wesentlich breitere Schicht derer, denen es “gar nicht so schlecht geht” (siehe diese Familie aus Dortmund die erfolgreich gegen die Hartz 4 – Sätze geklagt hat).

    Von Punkten wie dem Lohnabstandsgebot will ich an dieser Stelle gar nicht anfangen…

  7. Limbo sagt:

    Belegst du deine These hier tatsächlich anhand von PC/ Internet und Handy?
    Außerdem gehst du nicht einmal darauf ein, WIE diese Dinge finanziert wurden. Ob ich meinen Benzie aus der Portokasse bezahle oder dafür dicke Schulden für einen Golf mache ist schon ein deutlicher Unterschied.
    Alleine die Tatsache, dass jemand (teils mit der Zeit notwendig gewordene Dinge) besitzt bedeutet noch lange keine Annäherung.

  8. Moritz sagt:

    Das Problem ist einfach, dass er willkürlich Kriterien aufstellt, mit denen er seine These begründet. Mir will auch nicht einleuchten, warum er da die private Altersvorsorge ausklammern möchte – denn das ist nunmal einer der relevantesten monatlichen Ausgabefaktoren für viele Menschen – und wer sich diesen Faktor nicht leisten kann, der wird mal ein Problem haben.

    Hier wird unterstellt, dass die Konsumkosten sich so positiv verändert haben, dass die negativen Lohnentwicklungen dadurch mehr als ausgeglichen werden.

    Anderes Gegenbeispiel: Heizkosten. Machen bei geringerem Lohnzuwachs einen immer größeren Anteil am Gesamtbudget eines Haushalts aus.

  9. j.w. schoop sagt:

    Kredite und Geldanlage sind doch schon mit drin!
    Die Vergleichsgruppen umfassen die Menschen, die gerade sparen und die Menschen, die Erspartes gerade ausgeben (Rentner) (oder alternativ: Die nichts erspart haben und kein Erspartes ausgeben).

    Es umfasst auch die Menschen, die einen Kredit aufnehmen um etwas zu kaufen, wie die, die einen Kredit abbezahlen (inklusive derer, die eine Privatinsolvenz erlitten haben). Wenn ich heute ein Kredit für ein Handy aufnehme, muss ich den morgen zurückzahlen, und kann mir deshalb keine Waschmaschine leisten. Die Vergleichsgruppe umfasst repräsentativ(!) Menschen, die gerade frisch etwas auf Kredit gekauft haben und diejenigen, die einen Kredit zurückzahlen und deshalb auf andere Güter verzichten müssen.

    Hohe Heizkosten bezahlt man ebenfalls mit dem Verzicht auf andere Güter. Wenn die Heizkosten steigen, kann man sich eben keine Waschmaschine mehr leisten. Trotzdem können sich mehr Menschen eine Waschmaschine leisten. Das spricht doch deutlich für einen Wohlstandsgewinn.

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